Was gut läuft und was verbessert werden kann

Vorteile des Referendariats in Mecklenburg-Vorpommern

1. Stationen: Man ist in der Stationswahl sehr frei. Es gibt zum Einen die Möglichkeit, die Verwaltungstation, die Rechtsberatungsstation und die Wahlstation für zwei Ausbildungsorte zu splitten (z.B. Verwaltungsgericht und Behörde, Ausland und Inland) und zum Anderen, Stationen im Ausland abzuleisten. Darüber hinaus sind die Chancen, einen Platz bei der Stelle deiner Wahl zu erhalten, relativ groß, da es nur wenige Mitbewerber gibt. Einziges Manko: Im Strafrecht wird man nur in ganz besonderen Ausnahmefällen einem Strafgericht zugewiesen. Die Staatsanwaltschaft wird damit verpflichtend!

2. Ausbildungsvergütung: Seit dem 01.09.2016 hat Mecklenburg-Vorpommern die Unterhaltsbeihilfe auf 1.125 € brutto ohne Familienzuschläge erhöht und liegt somit über dem Bundesdurchschnitt. Außerdem ist eine dynamische Anpassung geregelt worden.

3. Zuverdienst: Auch die Zuverdienstmöglichkeiten wurden angepasst. So ist es nunmehr möglich, monatlich 150% der brutto Unterhaltsbeihilfe ohne Abzüge zusätzlich zu verdienen.

4. Juris und Beck-Online: Ihr bekommt einen Juris und auch einen Beck-Online Zugang mit Kommentaren und der Zeitschriften JuS, JA und NJW. So ist auch das Arbeiten von zu Hause problemlos möglich.

5. Betreuung: Aufgrund der geringen Zahl an Referendaren sind die Arbeitsgemeinschaften relativ klein, so dass jeder die Möglichkeit hat, sich einzubringen. Gerade in der Arbeitsgemeinschaft ist dies ein großer Vorteil, da ihr nur lernen könnt, wenn ihr auch aktiv am AG-Geschehen teilnehmt. Gleichzeitig kommt es eigentlich nie vor, dass mehrere Referendare sich einen praktischen Ausbilder teilen müssen. Man genießt also Einzelbetreuung.

6. Mitwirkungsmöglichkeiten: Sowohl das Landesjustizprüfungsamt, als auch das Oberlandesgericht ist an einem Austausch interessiert. In Zusammenarbeit mit der Rechtsanwaltskammer M-V, der Notarkammer M-V und dem Verein zur Förderung des juristischen Referendariats in M-V e.V. wird weiterhin an der Verbesserung des Referendariats gearbeitet. Hier könnt ihr noch mitgestalten!

7. Ausland: Ihr habt die Möglichkeit während des Referendariats in Mecklenburg-Vorpommern drei Mal (insgesamt ein Jahr kann außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns verbracht werden) ins Ausland zu gehen. Ihr könnt die Verwaltungsstation bei der Deutschen Botschaft im Ausland absolvieren, die Rechtsberatungsstation splitten und die ersten drei oder sechs Monate in eine deutsche Kanzlei ins Ausland gehen und letztendlich auch die Wahlstation im Ausland verbringen. Zusätzlich erhaltet ihr Tagegeld, Reisekostenerstattung und eine Unterkunftspauschale.

8. Speyer: Ihr könnt eure Verwaltungsstation auch in Speyer absolvieren. Zusätzlich erhaltet ihr Tagegeld, Reisekostenerstattung und eine Unterkunftspauschale.

9. Umgebung: Dazu braucht man nicht viel sagen. MV liegt direkt am Meer und hat einen unglaublichen Reinheitsgehalt in der Luft. Arbeiten, wo andere Urlaub machen, ist also nicht nur ein Spruch.

Sollte Referendaren bewusst sein:

Weite Wege: Mecklenburg-Vorpommern ist ein Flächenland!
Die Lehrgänge und Arbeitsgemeinschaften finden meist in Rostock und Stralsund statt. Ist man einem der anderen Landgerichtsbezirke zugeordnet, muss man dementsprechend reisen. Fahrtwege von ein bis zwei Stunden zur AG sind keine Seltenheit (mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die in Mecklenburg-Vorpommern nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, dementsprechend länger).

Das muss noch verbessert werden:

1. Fahrtkostenrückerstattung: Absolviert man seine Station und seine AG im selben Bezirk, bekommt man kein Fahrtgeld! Dies ist ein hoher Kostenfaktor und unterbindet damit z. T. die Möglichkeit den Standort zu wechseln.

2. Lernmöglichkeiten: Zwar gibt es an jedem Gericht eine Bibliothek, die oft auch Ausbildungsliteratur bereithält. Leider wird den Referendaren jedoch nicht in jeder Bibliothek Zugang gewährt und die Lehrbuch und Skripten-Bestände sind zu einem Großteil veraltet. Der Beck-Online Zugang gleicht dieses Manko jedoch teilweise aus.

3. Schlechtere Ergebnisse: Im Bundesdurchschnitt schneiden die Referendare aus Mecklenburg-Vorpommern im zweiten Examen nicht besonders gut ab (vgl. AnwaltsBlatt). Dagegen gibt es jedoch ein Heilmittel: Lernen!

4. Lehrangebot: Die Vorbereitung zum Zweiten Staatsexamen sollte insgesamt verbessert, die Lehrenden evaluiert werden. Es gibt hier Nachholbedarf, auch was die Themenkomplexe in den AG´s anbelangt.